Kirche Lohma
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in Thüringen

Kirche Lohma

Die Kirche ist zwar hell und nicht unfreundlich, fängt aber an, für die wachsende Bevölkerung des Kirchspiels, etwas eng zu werden, und enthält außer einigen kleinen Staturen der Evangelisten an der Kanzel, die aber seit ungefähr 14 Jahren mit einer Bekleidung überhängt ist, weder von Schnitzwerk, noch Malerei etwas.

Seit 1835 ist das Altar mit einer Platte von wildenfelser schwarzem, weiß geadertem Marmor belegt und mit geschmackvollem Schmuck versehen. Das eiserne, in Berlin gegossene Kruzifix mit vergoldeten Figuren, verehrten die 4 Geschwister Petzold (11 Thaler), die Leuchter der Auszügler Andr. Kirmse (3 Thaler) die porzellanenen Blumenvasen die Witwe Schumann (4 Thaler 16 Gr.) alle aus Buscha.

Die Zeit ihrer Gründung ist, soweit jetzt sich hat nachforschen lassen, unbekannt. Daß sie ein hohes Alter habe, ist daraus zu schließen, daß schon 1295 ein Pfarrer von Lohma, Rudolph, und 1357 ein Pleban, Ricol von Lome, genannt wird und es daher nicht unwahrscheinlich ist, daß bei der Stiftung des Marienklosters in Altenburg, dem das Dorf gehört hat, 1172 schon eine Pfarrei, also auch eine Kirche hier zu finden gewesen sei. Ob aber von dem damals stehenden oder errichteten Gebäude noch etwas übrig sei, kann nicht mit Bestimmtheit gesagt werde.

Das jetzige Kirchgebäude besteht aus drei verschiedenen Teilen. Der östliche ist ziemlich hoch; er enthält Altar, Taufstein, Orgel und 2 Reihen Emporkirchen und trägt ein Schieferdach mit einem hohen, wohlgebauten Spitzturm. Der Knopf auf demselben ist im Jahre 1768 abgenommen und wieder neu aufgesetzt worden, man hat im demselben, nach Angabe des damaligen Pfarrers Petri, zwar Schriften, aber durch Moder und Nässe verdorben, die also für die Geschichte der Kirche unnütz waren, gefunden, und neue Papiere unbedeutenden Inhalts, Klagen über schlechte Zeiten, herabgesetztes Geld und vieles mehr, in den neuen Knopf getan.

Da diese Art von Türmen angeblich aus dem 13. und 14. Jahrhundert stammen sollen, so möchte auch sein Ursprung dahin gesetzt werden. Er hat früher eine Glocke getragen, die aber 1649 auf den anderen Turm versetzt worden ist. Er ist 1610 vom Blitz getroffen und angezündet, aber wohl bald gelöscht worden. 1789 den 12. April Abends 9 Uhr. Erbaut ist er nach der an ihm befindlichen Jahrzahl 1506, also um die Zeit, in welcher man vorzüglich bemüht war, die kirchlichen Gebäude zu verschönern. Auf ihm war sonst das sogenannte Wahrzeichen von Lohma, nämlich aus einem Kappfenster über den Glocken guckte eine Figur, eine Mannsperson in alter Kleidung vorstellend, die so oft nickte und pfiff, als der Uhrhammer Schläge tat. Der Sage nach, soll ein Schulmeister im 30jährigen Krieg hier auf der Lauer gestanden haben und dem Dorfe, so wie den hier einquartierten Soldaten, die Ankunft feindlicher Schaaren angekündigt haben, bis endlich er auf dieser seiner Lauerstätte von dem Feinde entdeckt und erschossen worden sei. Schriftliche Nachrichten hierüber fehlen; wahrscheinlich ist das Ganze eine Spielerei gewesen, ohne besonderen geschichtlichen Bezug. Seit ungefähr 25 Jahren ist es abhanden gekommen und auf Befehl des Consist. seine Wiederherstellung unterblieben.

1585 hat der Turm neue Knöpfchen und Fahnen, 1582 eine Uhr (für 33 Thaler 8 Gr. 6 Pf.) erhalten. Von den Türmen und von der Höhe von Boderitz aus, hat man eine weite Aussicht, südlich schließt sich die Gegend durch das bömisch-sächsische Erzgebirge, deren Hauptgipfel, den Auers-, Keil- und Fichtelberg, man vor sich sieht. Südöstlich schimmert für gute Augen Augustusburg vor, östlich steht am Horizont der Rochlitzer Berg, nördlich trägt der der Blick bis unter Leipzig, vielleicht bis zum Petersberg bei Halle, westlich kann man über Lumpzig, von wo aus die Gegend sich nach der Elster zusenkt, nicht sehen.

Das Mittelgebäude ist der Bauart und Bequem-lichkeit nach, der unansehnlichste, vielleicht auch der älteste Teil der Kirche, es ist viel niedriger als das Spitzgebäude, hat außer den Weiberstühlen, nur ein Reihe Emporkirchen und sein Mauerwerk ist sehr unvollkommene Arbeit. Emporkirchen sind erst 1569 eingebaut und 1571 ist es mit Ziegeln gedeckt worden. Die Orgel ist 1748 von dem Hersteller der schönen altenburgischen Schloßorgel Trost erbaut, 1751 aber durch den Orgelbauer Träger mit einigen neuen Registern versehen worden. Trost bekam 245 Thaler, Träger 55 Thaler. Zu dem Bau der Orgel sind teils Einlagen von Seiten der Kirchgemeinde, teils freiwillige Geschenke (z.B. vom Hausverwalter Georg Petri in Lumpzig 6 Thaler; vom Schenkwirt Michael Müller hier 5 Thaler; vom reitenden Förster Christian Wilhelm Hartung in Niederleupten 5 Thaler; vom Lizentiat Johann Heziger in Ehrenhain 10 Thaler) verwendet worden.

Das 1748 noch vollbrachte Anstreichen kostete 14 Thaler freiwillige Beiträge. Das Geläute besteht aus 3 harmonischen Glocken. Die 2 kleineren stammen aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts und haben keine merkwürdigen Inschriften. Die große, sehr wohltönende aber ist 1485 gegossen und hat die Umschrift:

o sancte Jacobe, rex gloriae, ora pro nobis

woraus geschlossen werden kann, daß sie auf den Namen Jacob getauft, und daß vielleicht auch die Kirche zu Ehren dieses Apostels erbaut worden sei. Die vasa sacra sind zwar anständig, aber ohne besondere Auszeichnungen. Ein silberner Kelch, der 1659 angeschafft, am 21. August zum ersten mal gebraucht wurde und 26 Thaler 6 Gr. kostete, wurde 1674 am 8. Dezember durch Einbruch gestohlen. Durch freiwilliges Einlegen wurde 1684 ein anderer für 30 Mfl. 12 Gr. gekauft, er ist noch jetzt im Gebrauch.

Die silberne Hostienkapsel hat Phillip Bösike (Bäsche), Amtsbarbier in Altenburg, geschenkt. Die Kirche besitzt nur einige hundert Thaler Vermögen und ein kleines, für die Kirche zu verwendende Legate, sind mehrere da. Den Taufstein hat der Schullehrer Georg Müller 1689 fertigen lassen. Der Pfarrer Otto Freund hat das zinnerne große Taufbecken 1691 dazugegeben, aus welchem zuerst ein Jacob Petzold aus Buscha getauft worden ist. Frau Schullehrer Müller hat dieses 1789 umgießen lassen. Die Kanzel ist 1672 verfertigt und 1681 vom Maler Johann Schmidt aus Altenburg für 20 Fl. 12 Gr. angemalt worden. Der Todtenacker, 1826 neu angelegt, mit einer steinernen, mit Rochlitzer Platten bedeckten, Mauer umgeben, ist vor dem Dorf, hat aber, wie der Kirchhof, auf welchem niemand mehr begraben werden darf, kein ausgezeichnetes Denkmal, übrigens eine freundliche Lage.

Früher war noch ein zur Pestzeit 1637 angekauftes (darum Pestgottesacker genanntes) Grundstück als Begräbnisplatz da, ist aber bei Anlegung des neuen Todtenackers dem Privatgebrauch übergeben worden. Der erste Gebrauch dieses Stücks als Todtenacker, hat zu mancherlei Exzessen Veranlassung gegeben. Niemand hat darauf zuerst wollen begraben sein. Harte Strafen haben angedroht werden müßen. Bei der ersten Leiche (Markus Henig aus Buscha) haben sämtliche Einwohner zu Buscha das Grab gemacht, der Sohn der Verstorbenen, Gregor, hat aber doch seinen Vater nicht hierher begraben wissen, dafür aber den Pfarrer und Schulmeister erschießen wollen, ist aber, ungefähr 8 Tage darauf, selbst hier begraben worden. "Daran kann man die Strafe Gottes sehen" setzt der dies berichtende Schulmeister hinzu.

Im ganzen Kirchspiel ist nur eine Schule. Das Schulgebäude ist im 16. Jahrhundert gebaut, späterhin ansehnlich ausgebessert worden und hat jetzt ein freundliches Ansehen. Die Schulstelle ist bei der Aufnahme der Schullehrer in den allgemeinen Witwenfiskus zu 128 Thaler berechnet worden. Die Pfarrwohnung ist der Lage und inneren Einrichtung nach eine der freundlichsten im Lande. Sie ist 1777 gebaut, einige Seitengebäude stammen aus den neunziger Jahren des vorigen Jahrhundert. Die Einnahme der Stelle ist beim allgemeinen Witwenfiskus zu 490 Thaler angenommen, so daß die Witwenpension jährlich 122 Thaler 12 Gr. beträgt.

Auszug aus Kirchen - Galerie des Herzogtums Sachsen-Altenburg

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