Kirche Flemmingen
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in Thüringen

In der Mitte des rundgebauten Dorfes steht die gut erhaltene Kirche, mit ihrem mehr als hundert Ellen hohen Spitzturm. Bei einem flüchtigen Hinblick dürfte sie leicht über ihr Alter täuschen und einer Matrone gleichen, der man ihre Jahre nicht ansieht. Sie trägt die Spuren früherer und neuerer Jahrhunderte an sich und wurde, je nach den BedürKirche Flemmingenfnissen der Gemeinde und der Erweiterung der Dorfschaften, im Laufe der Zeit sehr verändert.

Ein ansehnlicher, nach Morgen gelegener Teil, ist neueren Ursprungs. Desto nachdrücklicher aber, erinnern der Turm und das Portal, an eine graue Vorzeit. Die rohen Säulen an der oberen Eingangstür mit den Verzierungen des Gesimses, die durchaus mit Eisenstreifen beschlagene Tür, mit den eisernen Angriff in Gestalt eines Ochsenkopfes, sowie die Rundbogen, offenbaren den byzantinischen, vor dem 13. Jahrhundert üblichen Baustil und daher dürfte der Ursprung der Kirche wohl dem 12. Jahrhundert angehören, in welchem die heiligen Gegenden durch Kolonisten urbar gemacht worden sind.

Die Gestalt des Kreuzes, in welcher damals die Kirchen erbaut wurden, ist durch wiederholtes Anbauen und Erneuerungen, verloren gegangen. Die ungewöhnliche Höhe des Turmes zog in älterer Zeit mehrmals den Blitz auf sich und dieser schlug, einer alten Sage nach, mehrere Ellen von seiner äußersten Spitze ab. Im Jahre 1729 wurde ein hiesiger Hausvater in der Betstunde erschlagen. Ein Leichenstein, nahe bei der Kirche an der oberen Halle, stellt ihn dar, mit dem Gesangbuch in der Hand. Auch unter dem Pfarrer Wimmer schlug der Blitz ein, ohne zu zünden und zu töten. Man fand den Pfarrer, welcher eben Examen hielt, betäubt unter seinen Kindern.

Die größte der 3 Glocken, mindestens 20 Zentner schwer, auch von ausgezeichnet reinem Klang, ist der Maria geweiht und vom Jahre 1515. Die lateinische Mönchsschrift lautet: O rex gloriae, veni cum pace! Ave Maria, gratia plena! Dominus tecum bened. (O König der Ehren, komme mit Frieden! Sei begrüßt, Maria, du Gnadenvolle! Gott, der Hochgelobte, sei mit Dir!).
Älter ist wahrscheinlich die zweite Glocke, denn sie hat keine Aufschrift und ein rohes Äußeres, während man an der ersten schon die Fortschritte der Kunst und einen veredelten Geschmack wahrnimmt. Dicht an der Kirche steht die neue, feuerfeste Schulwohnung, mit der Aufschrift: lasset die Kindlein zu mir kommen!
Sie wurde 1822 nach dem Risse des Herrn Kirchenpatrons gebaut (von welchem am Ende, dieser kurzen Nachrichten die Rede sein wird) und gewährt von ihrer Anhöhe herab einen freundlichen Anblick. Sie stößt an den von einer steinernen schönen Mauer eingeschlossenen Kirchhof, welcher zwei einander entgegengesetzte Eingänge mit geschmackvollen hölzernen Gittertoren hat.
Die wohl 200 Ellen fassende Mauer ist mit Rochlitzer Platten belegt. Die jetzigen Pfarrgebäude sind veraltet und ziemlich baufällig, daher sie einer teilweisen Erneuerung immer bedürftiger werden. Im 30jährigen Krieg (1635) haben die Schweden auch die hiesige Pfarrei beraubt, das Wirtschaftsvieh an der angrenzenden Pfarrwiese geschlachtet und mögen sich besser befunden haben, als die damals so armen Bauern, welche nach ihrem Abzuge, neue Inventarienkühe ankaufen mußten.

Als seltene und dankenswerte Merkwürdigkeit verdient erwähnt zu werden, daß in den 4 Dörfern der Muttergemeinde seit 110 Jahren*) keine Feuersbrunst gewesen ist. Möge Gott sie ferner gnädig schützen! In der Erbschenke zu Flemmingen befindet sich ein zum Teil noch brauchbarer unterirdischer Keller mit mehreren Kreuzgängen nach verschiedenen Richtungen hin, die aber schon längst verfallen sind. Sie sollen bis zur Kirche geführt haben und es ist nicht unwahrscheinlich, obschon in der Kirche keine Verbindung, etwa durch eine verborgene Treppe oder Falltür, vor der Hand sichtbar wurde; ja sie sollen sogar bis zu einer Viertelstunde von hier bis bei Beiern befindlichen Meßberg gereicht haben, worauf auch der Name deutet. So ist die Sage von Mund zu Mund gegangen.

*) Am 6. Mai 1841, als Obiges bereits geschrieben war, entzündete der Blitz die Wohnung des Handbauers List in Beiern, welche mit allen Nebengebäuden abbrannte.

Auszug aus Kirchen - Galerie des Herzogtums Sachsen-Altenburg

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